China gewinnt immer mehr an wirtschaftlicher Bedeutung. Das anhaltende Wirtschaftswachstum, die Entstehung einer urbanen Mittelschicht und der WTO-Beitritt steigern die Attraktivität des chinesischen Marktes. Das trifft auch auf den Werkzeugmarkt zu, der durch das stetige Wachstum positiv beeinflusst wird. Der Markt weist über die vergangenen zehn Jahre ein durchschnittliches jährliches Wachstum von mehr als 15 Prozent auf. Aufgrund der großen Nachfrage und der qualitativen Ansprüche waren chinesische Unternehmen bisher hauptsächlich auf den Import von Werkzeugen angewiesen. Um diese Situation zu ändern, versucht die chinesische Regierung, Know-how und Wissen im Werkzeugbau zu fördern und zu generieren. Dabei bedient sie sich ihrer Marktmacht und dem Interesse ausländischer Investoren, in China Fuß zu fassen. Die chinesische Regierung setzt bei einigen Formen des Engagements in China voraus, dass ein großer Teil der für die Produktion benötigten Güter auf dem heimischen Markt beschafft werden muss. Dadurch werden internationale Hersteller dazu verpflichtet, ihr Wissen an chinesische Lieferanten abzugeben. Der chinesische Markt gewinnt an Know-how. Diese Tatsache ermöglicht China, recht schnell in unterschiedlichen Bereichen Know-how und Wissen aufzubauen. Von dieser Besonderheit des chinesischen Marktes können wiederum internationale Unternehmen profitieren, da sie bei der Beschaffung in China auf einen höheren Qualitätsstandard zurückgreifen können. Ein bedeutender Lieferant von Know-how ist dabei die Automobil beziehungsweise Automobil-Zulieferindustrie. Bereits seit vielen Jahren gilt China hier als wichtiger Absatz- und Beschaffungsmarkt. Nahezu alle weltweit agierenden Automobilhersteller engagieren sich auf dem chinesischen Markt. Die wichtigsten Automobilzulieferer sind den Automobilkonzernen gefolgt. Analog haben sie sich in den östlichen, küstennahen Regionen Chinas niedergelassen. Aktuelle Trends weisen darauf hin, dass der chinesische Werkzeugmarkt stark an Qualität und Kapazität hinzugewinnt. Mehr als nur Low-End-Werkzeuge Der Low-End-Bereich, Werkzeuge mit niedriger Komplexität, wird bereits seit Jahren durch heimische Werkzeuge dominiert. Durch den Know-how-Transfer und den hohen Qualitätsanspruch der Automobilindustrie greift China inzwischen auch den Mid- und High-End-Bereich des Werkzeugmarktes an. Viele Automobilzulieferer in China beschaffen bereits mehr als 80 Prozent ihres Werkzeugbedarfes vor Ort. Durch das stetige Wachstum an Wissen und Know-how in der Herstellung von Werkzeugen steigt auch die Akzeptanz chinesischer Produkte im Ausland. China konnte daher in den vergangenen zehn Jahren seine Expor te um das Zehnfache steigern. Auf dem chinesischen Werkzeugmarkt dominiert die Produktion von Stanz- (40 Prozent) und Spritzgusswerkzeugen (39 Prozent). Bei Spritzgusswerkzeugen ist in den vergangenen zehn Jahren eine deutliche Marktanteilssteigerung zu erkennen: Lag der Anteil am gesamten Werkzeugmarkt 1993 noch bei 27 Prozent, steigerte er sich bis 2003 auf 39 Prozent. Der hohe Anteil von Werkzeugen für die Spritzgussindustrie ist auf die Dominanz Chinas im Spielzeugmarkt zurückzuführen: Mittlerweile werden etwa 80 Prozent aller weltweit hergestellten Spielzeuge in China produziert. Annähernd alle für die Herstellung von Puppen, Plastikautos oder Wasserpistolen benötigten Werkzeuge stammen aus chinesischen Werkzeugfabriken. Dieses jahrelang erprobte Know-how machen sich nun in zunehmendem Maße andere Branchen zu Nutze, unter anderem auch die Automobilindustrie. Vielzahl der Werkzeugbauer erschwert Entscheidung Durch die gestiegene Nachfrage an Werkzeugen ist die Anzahl von Werkzeugbauern in den vergangenen 15 Jahren von knapp 6.000 auf über 20.000 im Jahre 2003 angewachsen. Die meisten Unternehmen befinden sich im privaten Besitz und sind in den geförderten Sonderwirtschaftszonen Chinas ansässig. Die große Anzahl an Werkzeugbauern erschwert die Identifizierung eines für die individuellen Bedürfnisse passenden Lieferanten. Die Erfahrungen deutscher Automobilzulieferer bei der Beschaffung von Werkzeugen in China differieren stark. Im Idealfall werden die Werkzeugspezifikationen per 3D-Datei an den chinesischen Lieferanten gesandt, und das entsprechende Werkzeug wird in angemessener Zeit per Luftfracht geliefert. Die Realität sieht zumeist anders aus. Oft bedarf es langer Anpassungsprozesse, um die chinesischen Partner auf die eigenen Standards und Qualitäten einzuschwören. Dennoch lohnt sich das Engagement, da Einsparungspotenziale von bis zu 60 Prozent realisiert werden können. Der chinesische Werkzeugmarkt unterliegt einem rasanten dynamischen Prozess. Er versucht sich westlichen Qualitätsstandards anzunähern. Trotz aller Euphorie muss der Schritt einer Werkzeug-Beschaffung in China wohlüberlegt sein: Er erfordert Geduld sowie ein starkes Engagement der Verantwortlichen. |